Stadtteilgrün und Umweltgerechtigkeit im Donaukiez

Wie kann ein stark belastetes Stadtquartier grüner und umweltgerechter gemacht werden? Das Projekt entwickelt partizipativ mit Akteuren und Bewohner*innen aus dem Quartier Ideen und setzt diese als gemeinsame Kiezprojekte um – und will so mehr Umweltgerechtigkeit schaffen. 

In einem Kiezprojekt wurden die mobilen Donaupflanzkisten und Standwägen entwickelt und mit Schulklassen, Gruppen und Bewohner*innen selbst gebaut und mit angezogenen Pflanzen begrünt.  Sie wandern nun zwischen Schul- und Kitahöfen und dem öffentlichen Straßenraum hin und her und machen das Quartier grüner. In einem weiteren Kiezprojekt wurde ein kleiner Teil der sonst wenig einladenden Donaustraße in einen Straßengarten auf Zeit verwandelt. Ab 2019 soll die Begrünung im Kiez fortgesetzt werden. Danach wird mit einem „Kiezgarten“ für mehrere Monate ein dringend benötigter Ort für Erholung, Aufenthalt und nachbarschaftlichem Austausch im Quartier eingerichtet – wieder gebaut, gestaltet und genutzt von vielen Aktiven aus dem Donaukiez.

Hintergrund: Umweltgerechtigkeit im Donaukiez

Negative Umwelteinflüsse in der Stadt sind nicht gleich verteilt. Menschen bekommen diese unterschiedlich stark zu spüren, je nachdem wo sie wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen – eine Frage der Umweltgerechtigkeit. Im Quartier Donaustraße-Nord kommen in einem hochverdichteten Gründerzeit-Quartier sehr viele negative Umwelteinflüsse zusammen.

Denn öffentliche Grünflächen gibt es im Quartier gar nicht und privates Grün versteckt sich in den Hinterhöfen. Im dicht bebauten Quartier ist die Luftqualität schlecht, die Hitzebelastung im Sommer hoch und an den großen Straßen gibt es eine hohe Lärm- und Feinstaubbelastung. Im Umweltatlas des Senats gilt das Quartier daher als „mehrfachbelastet“.

Das Quartier Donaukiez Nord (Quelle: Geoportal Berlin / Karte von Berlin 1:5000 K5 – Grautonausgabe)

Dies bewirkt auch, dass die Umweltgerechtigkeitslage im Quartier negativ ist: Viele Bewohner*innen des Donaukiezes sind sozial benachteiligt und leiden zusätzlich unter negativen Umwelteinflüssen.

Partizipative Umweltaktivitäten aus dem Quartier

Wir wollen mit dem Projekt in einem gemeinsamen Prozess mit Akteuren und Bewohner*innen vorhandene Freiflächen und öffentliche Räume besser nutzbar machen und die Umweltsituation verbessern. Die Plattform dafür sind gemeinsam geplante, gebaute und gestaltete öffentlich zugängliche Orte.  Das Besondere dabei ist der partizipative Ansatz, denn von der Planung über Bau und Gestaltung bis hin zur Nutzung gestalten konsequent Akteure, Gruppen und Bewohner*innen diesen Prozess mit.

Straßengarten in der Donaustraße. (Foto: LIFE e.V.)

Ziele des Projekts sind:

  • Umweltgerechtigkeit im Quartier verbessern, insbesondere hinsichtlich Grün- und Freiflächenversorgung und Bioklima
  • Zusätzliche öffentliche Orte im Quartier für Aufenthalt, Erholung und nachbarschaftlichen Austausch schaffen
  • Nachbarschaftliche Vernetzung zum Thema Umweltgerechtigkeit im Quartier
  • Aktive Mitgestaltung von Akteuren und Bewohner*innen ermöglichen, anstoßen und dauerhaft festigen

Aktivitäten im Projekt

  • In der Gartengruppe Donaukiez trafen sich garten- und pflanzeninteressierte Bewohner*innen bei interessanten Mitmach-Veranstaltungen, vom Kistenbauen bis zur Besichtigung von Gärten in der Umgebung.
  • Am Grünen Tisch trafen sich Akteure um das Thema zu diskutieren, Ideen zu entwickeln und deren Umsetzung zu planen. Über unsere Arbeit konnten wir ein großes Netzwerk aufbauen und viele Akteure in die Arbeit einbinden.
  • Im Kiezprojekt Wanderndes Grün entwickelten wir in Kooperation mit Schulen aus dem Quartier und Fachleuten die mobilen Donau-Pflanzkisten, die von Gruppen in Workshops selbst zusammengebaut und nach Bedarf gestaltet werden konnten. Schüler*innen, Gruppen und Bewohner*innen bauten insgesamt 70 Kisten und 7 Standwägen.
  • Im Kiezprojekt Sprießendes Grün wurden in Schulen und Kitas Pflanzen angezogen und diese dann beim großen Einpflanz-Aktionstag unter breiter Beteiligung in die Donau-Pflanzkisten eingesetzt. Danach wanderten drei Standwägen für mehrere Monate in den öffentlichen Raum und machten das Quartier grüner.
  • Eine Grünfläche zur Erholung, zum Austausch und zur Verbesserung des Klimas fehlt im Donaukiez. Daher eröffnete mit dem Kiezprojekt Straßengarten auf Zeit für ein Wochenende ein Straßengarten auf der Donaustraße – komplett aus den im Quartier entstandenen Pflanzkisten und Standwägen.
  • Für das Jahr 2019 sollen die Donau-Pflanzkisten wieder auf die Straßen wandern und den Kiez grüner machen. Wieder werden an vielen Orten im Quartier Pflanzen angezogen und die Kisten von Gruppen und Aktiven bepflanzt. Auf den Standwägen sollen sie für mehrere Monate in den öffentlichen Raum gestellt und durch Patinnen und Paten betreut und gegossen werden.
  • Für 2019 und 2020 ist geplant, mit einem Kiezprojekt einen Ort im Quartier für längere Zeit in einen sogenannten „Kiezgarten“ zu verwandeln, einen Ort für Aufenthalt, Erholung und Austausch – und das in einem gemeinsamen Prozess aus dem Quartier heraus. Hierfür werden Stadtmöbel und Begrünungsmodule geplant und in Workshops gemeinschaftlich gebaut und gestaltet. Diese werden dann zusammengeführt in Form eines Parklets auf temporär umgenutzten Parkplätzen oder auch in privaten Höfen. Der Kiezgarten soll dann über mehrere Monate ein offener Ort zur Erholung, ein nachbarschaftlicher Treffpunkt und ein Ort für Angebote und Veranstaltungen aus dem Kiez sein.

Das Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, Programm Soziale Stadt

 

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