Forschungstransfer in Aus- und Weiterbildung zu Klimaanpassung in Technikbranchen

 

Die Auswirkungen des Klimawandels werden größer sein als gesamt-gesellschaftlich erwartet. Dabei liegen eindeutige globale und Deutschlandweite Erkenntnisse von Klimaprojektionen und Folgenabschätzung vor: Die Folgen des Klimawandels sind schon heute spürbar und bergen für die Zukunft konkrete Risiken und Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen.

Das Ziel des Projektvorhabens ist es, Erkenntnisse über klimawandelbezogene Veränderungen in der Region Berlin-Brandenburg für gebäudenahe Handwerksbranchen aufzubereiten und nutzbar zu machen. Dafür werden kompakte Bildungsmodule für Auszubildende, Handwerker*innen und Techniker*innen aus gebäudenahen Berufen entwickelt, erprobt und verbreitet. Die thematischen Schwerpunkte liegen dabei auf SHK-Technik, Elektrotechnik & Informationstechnik im Gebäude und auf dem Baugewerbe, Bauhauptgewerbe bzw. Bausausführung.

Vor dem Hintergrund, dass die internationale Staatengemeinschaft es nicht schafft notwendige Klimaschutzmaßnahmen – wie den schnellen Ausstieg aus fossilen Energieträgern – in die Tat umzusetzen, schreitet der Klimawandel stetig voran. So gewinnt neben dem Thema Klimaschutz, auch das Thema Anpassung an die Folgen des Klimawandels zunehmend an Dringlichkeit. Hierzulande werden die Folgen des globalen Temperaturanstiegs besonders durch vermehrtes Auftreten von Extremereignissen wie Trockenperioden, Starkregen, Hochwasser, Hitzetage, Stürme oder veränderter Niederschlagsmuster spürbar werden. In Deutschland sind laut der Versicherungsbranche bereits im Zeitraum von 1970 – 2014 volkswirtschaftliche Schäden durch klimabezogene Naturereignisse wie Sturm und Unwetter in Höhe von 91 Mrd. Euro entstanden.

Zu den Branchen die als besonders anfällig gelten, gehören auch die Bau-, Energie- und Wasserwirtschaft. In dem Projekt FAKT werden daher die gebäudenahen Berufe aus diesen drei Branchen in den Blick genommen. Dabei bildet der regionale Bezug zu Berlin-Brandenburg jeweils einen Schwerpunkt Für jede Branche werden Bildungsmodule entwickelt, erprobt und verbreitet. Spezifische Risiken wie Gebäude- und Anlagenschäden, Versorgungsausfälle und verminderte Geräteleistungen, Aspekte die den Gesundheitsschutz beim Arbeiten betreffen aber auch Chancen, wie winterliche Frostfreiheit und neue Geschäftsfelder werden thematisiert. Integraler Bestandteil der Module ist ferner die Sensibilisierung für Zielkonflikte und Synergien zwischen Klimafolgenanpassung und Klimaschutz. Auch die Risikoabschätzung und die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen werden in den Blick genommen. Das Projekt FAKT leistet einen Beitrag zur Erhöhung der beruflichen Sensibilität und Handlungsfähigkeit aktueller und zukünftiger Fachkräfte für die veränderten Anforderungen die durch den Klimawandel entstehen. 

Die Bildungsmodule kommen schwerpunktmäßig in Ausbildungskontexten zum Einsatz, richten sich jedoch gleichfalls an Fachkräfte. Die ganzheitlichen Module können als gesamte Einheit oder nur spezifische Methoden davon eingesetzt werden. Sie bieten u.a. Hintergrundinformationen, (Gruppen-) Aufgaben, Exkursionen, Präsentation etc. Eine online Plattform bietet eine einfache Handhabe.

Die Projektschritte des 2-jährigen Projekts umfassen:

  • Auswertung des aktuellen Forschungs- und Erkenntnisstands zu den klimawandelbedingten Veränderungen für die Region Berlin-Brandenburg und dessen Folgen für die jeweiligen thematischen Scherpunkten.
  • Durchführung von Wissenschafts–Praxis-Ausbildungs-Dialoge zur Vorbereitung der Bildungsmodule & die Identifikation von relevanten Inhalten.
  • Entwicklung einer online Plattform für eine mobile und einfache handhabe.
  • Entwicklung von verschiedenen Methoden und Formaten für die ganzheitlichen Bildungsmodule.
  • Erprobung der Bildungsmodule in Kooperation mit Bildungseinrichtungen und Ausbildungsbetrieben.
  • Bundesweiter Transfer und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Klimawandelfolgen

 

In der Projektlaufzeit werden mehrere Ergebnisse entwickelt: Bildungsmodule mit mehreren aufeinander bauenden didaktischen Lehreinheiten für Auszubildende, Handwerker*innen und Techniker*innen aus dem gebäudenahen Berufen inklusive einer online Plattform für eine mobile handhabe und Hintergrundmaterial für Lehrkräfte für Berufe aus folgenden Bereichen. Für all unsere Module führen wir gerne (Erprobungs-) Unterrichtseinheiten durch: 

  1. SHK-Technik
  2. Elektrotechnik & Informationstechnik im Gebäude
  3. Baugewerbe, Bauhauptgewerbe bzw. Bausausführung;

Roll-up Ausstellung Anpassung an den Klimawandel: Risiken und Chancen für gebäudenahe Handwerksberufe: die Ausstellung informiert über die aktuellen Erkenntnisse von klimawandelbezogene Veränderungen in der Region Berlin-Brandenburg und blickt auf die Folgen für das Gebäude. Die Ausstellung wird allen interessierten Schulen, Unis, Gemeinden zur Verfügung stehen.

Nachhaltigkeits-Checkliste – die kurze Checkliste dient als Unterstützung für die Sensibilisierung für Zielkonflikte zum Thema Klimaschutz und Klimafolgenanpassung. Gleichzeitig soll sie anhand von Leitfragen zum Nachdenken anregen über das Thema Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit im Klimaschutz.

Wie werden belastbare Aussagen über die Klimawandelfolgen in Berlin-Brandenburg getroffen?

Um belastbare Aussagen über das weltweite Klima und die zu erwartenden Änderungen im globalen Klimasystem zu treffen, spielen Szenarien und Klimaprojektionen eine große Rolle. Klimamodelle sind sehr umfangreiche Computerprogramme. Das Ergebnis dieser Klimamodelle sind Klimaprojektionen.  Klimaprojektionen wiederum bilden die Grundlage für die Bewertung von Risiken zukünftiger Klimawandelfolgen sowie für die Entwicklung von entsprechenden Anpassungsmaßnahmen. Daneben sind auch (Klima-)szenarien essenziell für die Berechnung von möglichen Klimaänderungen, da sie die Basis für die Klimamodelle bilden. Man geht also von einem bestimmten Szenario der globalen CO² Emissionen aus, um anhand dessen die daraus resultierende durchschnittliche Jahrestemperatur zu bestimmen.

Kernaussagen für Berlin-Brandenburg

Bereits heute hat sich die durchschnittliche Jahrestemperatur in Berlin-Brandenburg seit Beginn des 20. Jahrhunderts um ca. 1°C erhöht (auf insgesamt 9,3°C.)

  • Bis 2050 wird sich die durchschnittlichen Jahresmitteltemperatur um ca. 1°C erhöhen.
  • Bis 2100 wird es einen Anstieg zwischen 2,8 bis 5,3°C erwartet.
  • Die Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen nimmt zu: Starkregen, Hochwasser, Hitzetage, Trockenperioden, Stürme.
  • Es gibt eine Veränderung in der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge: Niederschläge werden im Sommer zurück gehen, das Winterhalbjahr wird feuchter; heißere und trockenere Sommer und die Länge von Trockenperioden wird voraussichtlich zunehmen.

Temperatur in Berlin Brandenburg

  • Der deutlichste Temperaturanstieg findet im Winter & Herbst statt. Temperaturbedingte Extremwetterereignisse wie Hitzeperioden und tropisch heiße Nächte im Sommer treten vermehrt auf. Die Temperaturerhöhung wird nicht gradlinig verlaufen.
  • Wärmere Winter und Rückgang an Eistagen (unter 0°C – derzeit an durchschnittlich 20 Tagen im Jahr): bis 2050 werden sie sich um 33-60% verringern, bis 2100 um 77-88%. *Aber auch in auch in Zukunft kann es den einen oder anderen sehr kalten Winter geben: die Forschung vermutet, dass sich aufgrund des Klimawandels auch die Drucksysteme auf der Erde verändern, was immer wieder zu Polarlufteinbrüchen führt
  • In Berlin kommt der Hitze-Insel Effekt hinzu: Städte heizen sich stärker auf als die sie umgebenden ländlichen Regionen – dies wird zu einem Risiko für die Bewohner*innen. Analysen ergaben, dass Großstädte im Mittel um etwa zwei bis drei Grad heißer werden als ihr Umland.

Niederschlag in Berlin Brandenburg

  • Das kritische Wetterphänomen Starkregenereignisse wird zunehmen. Momentan gibt es davon ca. 11 im ganzen Jahr. Bis 2060 wird mit einer Zunahme auf mindestens 15 bzw. bis 2010 von mindestens 17 Tage bekommen. Es kann häufiger zu Überschwemmungen kommen.
  • Gleichzeitig werden wir mehrere und längere Trockenperioden im Sommer bekommen.
  • Im Winter werden wir weniger Schnee bekommen: Allerdings steigt durch die höheren Temperaturen das Gewicht des Schnees, so dass sich die Schneelasten in den kommenden Jahrzehnten vor allem auf großen Hallendächern sogar erhöhen können. Auch Hagelschlag kann vermehrt zum Problem werden, weil sich durch die höheren Temperaturen größere Hagelkörner bilden können.

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages (Förderkennzeichen 03DAS096). Die Förderung erfolgt aus dem Förderprogramm für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Rahmen der Umsetzung der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). Betreut wird das Projekt durch den Projektträger Jülich.

    

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