Mehr Wege als Einweg! (2011-2012)
Berliner Migrantinnen aktiv für Ressourcenschutz und klimaschonenden Einkauf
Projekterfolge
Elf Berliner Einzelhandelsunternehmen (polnisch, türkisch, arabisch) unterstützten die Mehrweg-Bonusaktion von "Mehr Wege als Einweg!" in ihren Geschäften. Über 2.000 Upcycling-Stofftaschen wurden dafür während öffentlicher Infoaktionen in und vor den kooperierenden Geschäften (Wedding, Neukölln) sowie bei Projektvorstellungen in Migrantenselbstorganisationen (MSO) von unseren Kiez-Umweltbotschafterinnen aus über acht Nationen an Verbraucher/innen verteilt. Insgesamt wurden über 10.000 Verbraucher/innen von den Kiez-Umweltbotschafterinnen an Infoständen über das Bonus-system von "Mehr Wege als Einweg!", Plastik(tüten)vermeidung und Mülltrennung sowie ökologische und gesundheitliche Folgen von Plastik informiert. Das Bonussystem der Stofftaschen war sehr erfolgreich: fast jede fünfte Bonuskarte wurde in den teilnehmenden Geschäften eingelöst.
Außerdem konnten wir unseren Mehrweg-Parcours auf dem Berliner Staudenmarkt (Frühjahr und Herbst 2012) als festen Programmpunkt etablieren. Auch im April 2013 ist das Projekt wieder vor Ort. Mehr dazu.
Das Projekt wurde mit über 29 Veröffentlichungen von den Medien interessiert aufgenommen. "Mehr Wege als Einweg!" wurde zweifach ausgezeichnet: 2011 im Rahmen von Welt Weit Wissen und 2012 als Werkstatt N-Projekt vom Nachhaltigkeitsrat. Die Stiftung Bürgermut würdigte besonders das Engagement der Migrantinnen als Kiez-Umweltbotschafterinnen.
Der Bedarf an Informationen und der Austausch rund um das Thema Plastik ist groß. Deshalb wurde im Anschluss an das Projekt die Ausstellung "Mehr Wege für Visionen" erstellt, die am 22. April 2013 bei LIFE e.V. eröffnet wird.
Für das Projekt sind eine Ausweitung und der bundesweite Transfer in den nächsten Jahren geplant. Daher sammeln wir weiterhin Stoffe aus Baumwolle (z.B. Tischdecken, Bettwäsche). Spenden Sie Ihre Stoffe! Mehr Informationen
Erfahrungsaustausch
Haben Sie Interesse an unseren Erfahrungen mit Bonussystemen und Kooperationen mit ethnischen Einzelhandelsunternehmen sowie an einem Austausch über Müllvermeidung und Ressourcenschutz? Oder möchten Sie unsere Ausstellung "Mehr Wege für Visionen" zum Thema Plastikvermeidung besuchen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Hintergrund zum Projekt
Einweg-Plastiktüten sind Symbol unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. In Deutschland werden jährlich über 5 Milliarden Tüten verbraucht. Sie belasten unsere Umwelt, steigern den CO2-Ausstoß und stellen für die Abfallwirtschaft ein großes Problem dar. In vielen ethnischen Einzelhandelsunternehmen werden Plastiktüten häufig noch kostenlos an Verbraucher/innen herausgegeben.
Ziel des Projekts
Zentrales Ziel des Projekts war den Verbrauch von Plastiktüten deutlich zu senken. Dafür sollten Verbraucher/innen mittels Mehrweg-Taschen und einem dazugehörigen Bonussystem einfache Wege zur Reduktion des Plastikkonsums beim Einkauf aufgezeigt und sie zur Nutzung von Mehrwegsystemen motiviert werden. Ebenfalls stand das Gespräch mit Verbraucher/innen im Fokus, sie über die ökologischen und gesundheitlichen Folgen der beliebten Plastikverpackungen aufzuklären, um ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen lokalem Handeln und globalen Auswirkungen zu schaffen.
Das haben wir gemacht
- Wir haben mittels 20 Sammelboxen an öffentlichen Orten in Berlin nicht mehr gebrauchte Stoffe gesammelt. Aus den Altstoffen wurden 2.000 sogenannte Upcycling-Taschen hergestellt.
- Frauen aus über acht verschiedenen Nationen haben wir zur Kiez-Umweltbotschafterin geschult und sie so auf die Verbrauchergespräche während der öffentlichen Aktionen und der Projektvorstellungen vorbereitet.
- Für das Bonussystem von "Mehr Wege als Einweg!" haben wir mit elf ethnischen Einzelhandelsunternehmen kooperiert. In und vor ihren Geschäften haben die Kiez-Umweltbotschafterinnen während öffentlicher Aktionen die Upcycling-Stofftaschen mit Bonuskarte an Verbraucher verteilt und sie über das Bonussystem zu den Upcycling-Taschen, zu Plastiktütenvermeidung und zu ökologischen und gesundheitlichen Folgen durch Kunststoffe informiert.
- Verbraucher/innen erhielten bei jedem Einkauf mit der Upcycling-Stofftasche in einem der kooperierenden Geschäfte einen Stempel auf ihre Bonuskarte. Beim 10. Stempel gab es einen Bonus von 5 Euro.
- Auf unserer Homepage und Facebookseite haben wir stets über unser Projekt sowie projektrelevante Themen berichtet und regelmäßigen Kontakt zu den Medien gehalten.
Interkulturelles Bündnis für Nachhaltigkeit
Das LIFE-Projekt "Mehr Wege als Einweg!" ist Gründungsmitglied des "Interkulturellen Bündnisses für Nachhaltigkeit". Alle bundesweit Beteiligten (Umweltorganisationen, -beratungsstellen, -vereine und -initiativen) möchten sich zukünftig gemeinsam für die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund in Umwelt- und Klimaschutzprojekten engagieren. Mit dem Bündnis soll außerdem ein Netzwerk entstehen, in dem Erfahrungen und Informationen ausgetauscht und gemeinsame Projekte entwickelt werden. Die Allianz ist in Folge der Auftaktveranstaltung des Projekts "Klimaschutz. In unserer Hand" im Oktober 2012 im Rathaus Hannover gebildet worden.
Stimmen aus dem Projekt

"Viele unserer Kunden verpacken ihre Eink&aauml;ufe in Plastiktüten. Insgesamt gehen bis zu 6.000 Plastiktüten pro Woche raus. Die meisten von ihnen landen direkt danach im Mülleimer oder auf der Straße. Das ist doch Wahnsinn! Ich möchte, dass mein Kiez sauber bleibt." - Herr Ibrahim (Leiter der Filiale von BOLU Lebensmittelhandel GmbH in Wedding)

"Meine Frau und ich finden das Projekt total klasse. Wir fragen unsere Kunden jetzt immer, ob sie wirklich eine Plastiktüte benötigen. Seit der Bonusaktion im Frühjahr geben wir die Plastiktüten nur noch gegen 0,20 € pro Tüte an die Kunden. Wir möchten die Kunden zu einem bewussten Umgang mit den Plastiktüten anregen." - Andrzej Grzybowski (Geschäftsinhaber des polnischen Lebensmittelgeschäfts "Alma")

"Ich habe sehr viele Mehrweg-Taschen in allen Größen zuhause, die ich täglich zum Einkaufen für meine fünfköpfige polnische Familie nutze. Plastiktüten brauch ich nicht. Ich als Verbraucherin bin verantwortlich für meinen Umgang mit Plastik. Dieses Bewusstsein möchte ich auch gern an andere weitergeben." - Dorota Borth (Kiez-Umweltbotschafterin)

"In meiner Heimat der Dominikanischen Republik gibt es ganz viele Plastiktüten. Viele von ihnen landen im Meer und werden von Fischen mit Nahrung verwechselt. Sie sterben daran oder landen mit dem Plastik im Körper auf unserem Teller. Ich finde das total schrecklich." - Miguelina Krebs (Kiez-Umweltbotschafterin)
Auszeichnung durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung
"Mehr Wege als ein Weg!" erhält Qualitätslabel.



Magdalena Adamczyk-Lewoczko
Informationen zum Projekt (Flyer)
